Lang lebe der König!
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Bilder: pixabay.com; Stadtkirchengemeinde Hanau

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am 1. Oktober 1958, also genau vor 60 Jahren kam der vielleicht beliebteste König der Welt nach Deutschland. Beliebt nicht nur bei Musikfans, aber vor allem bei ihnen. Der »King of Rock 'n' Roll«, Elvis Presley.

Der Grund war ein wenig königlicher, die Ableistung des Militärdienstes als Soldat, stationiert übrigens überwiegend in Friedberg und Bad Nauheim. Der Einfluss auf Hanau und vor allem auf das Lamboy sind legendäre Geschichte: Der Rock 'n' Roll fand Hanau und ließ in der kleinen hessischen Garnisonsstadt talentierte Bands, Musik-Bars und Nachtclubs wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Aber zurück zum König: Elvis erhielt bald den Beinamen «The King of Rock 'n' Roll» («Der König des Rock 'n' Roll»). Doch er sagte darauf: »Es gibt nur einen König, und das ist Jesus Christus.«

Aufgewachsen war er in einer pfingstlerischen Gemeinde, die Gospel-Musik nannte er »die reinste Sache, die es auf der Erde gibt.« Einmal nach seinen musikalischen Wurzeln gefragt antwortete er: »Wir machen während fünf Wochen jeden Abend zwei Shows. Oft gehen wir dann nach oben und singen Gospel-Songs, bis der neue Tag anbricht. Wir sind damit aufgewachsen.«

Zeit seines Lebens blieb er, was vielen nicht bekannt ist, tief religiös oder in seinen eigenen Worten: »Alles,  was ich will, ist, die Wahrheit zu kennen, Gott zu erkennen und zu erfahren. Ich bin ein Suchender, das ist alles, was mich ausmacht.« In seiner Bibel, bis heute in einem Museum ausgestellt, hat er zahlreiche Notizen und farbliche Hervorhebungen angebracht. Offensichtlich ließ sich Elvis aber auch musikalisch von der Bibel inspirieren. Unter Psalm 81 schrieb er: »Sing dem Herrn Lobpreis.« Und am Ende der Psalmen trug Elvis ein: »Sing zur Ehre Gottes.«

Eine der ergreifendsten Fernsehsendungen, die ich jemals gesehen habe, war eine Aufzeichnung des letzten Konzerts von Elvis Presley vor seinem Tod im Jahr 1977. Er war ein trauriger Anblick: Er war körperlich aufgeschwemmt, er war kurzatmig, seine Bewegungen hatten keine Ausstrahlung mehr. Aber richtig gespenstisch wurde es, als er das letzte Lied auf dem Programm sang. Denn das Lied fängt folgendermaßen an: »Und nun ist das Ende nah, ich stehe vor dem letzten Vorhang ...« Und in dem Text des Liedes geht es darum, Bilanz zu ziehen, wie das Leben abgelaufen ist.

Ein Satz in dieser Bilanz lautet: »Manchmal habe ich mehr abgebissen, als ich kauen konnte.« Dieser Satz hat frappierende Parallelen zu seinem Leben, denn Elvis Presley hat in einem übertragenen Sinne mehr abgebissen, als er kauen und verdauen konnte. Er war der Inbegriff einer maßlosen Sehnsucht nach Lebenserfüllung. Er konnte buchstäblich nicht genug kriegen: Er hat zu viel gegessen, zu viele Konzerte gegeben, zu viele Frauen gehabt. Egal wie viel Liebe er bekam, es war nie genug. Je mehr Liebe er bekam, um so stärker war sein Hunger nach immer mehr Liebe.

Elvis Presley blieb Zeit seines Lebens ein Suchender: nach Gott, echter Liebe und dem Sinn seines Lebens. Auch wenn sich im letzten Jahr sein Todestag bereits zum 40. Mal gejährt hat,  bleiben er und seine Musik unvergessen.

Der König ist tot – lang lebe der König!

Es grüßt Sie und Euch

Pfarrer Stefan Axmann

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