Nov 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2
Ich läute für Frieden und Freiheit
dessauer-friedensglocke
Bilder: de.wikipedia.org; Stadtkirchengemeinde Hanau

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kautz katrinvier Tonnen ist die Dessauer Friedensglocke schwer, die von einem LKW Ende April nach Münster gefahren und dort vor dem Museum für Kunst und Kultur aufgestellt wurde. Die symbolträchtige Glocke ist Teil der Ausstellung »Frieden. Von der Antike bis heute« in Münster, die als Kunstinstallation bis zum 2. September nun vor dem Haupteingang des Museums ihren Platz gefunden hat.

Die Dessauer Friedens- und Freiheitsglocke besteht aus hunderten eingeschmolzener Waffen, Sturm- und Maschinengewehren, Panzerbüchsen und Pistolen. Sie kommen aus den Beständen der Nationalen Volksarmee der ehemaligen DDR und wurden in einer spektakulären Aktion einer Initiativgruppe 1990 von einem Panzer in einer Dessauer NVA-Kaserne überrollt und unbrauchbar gemacht.

2002 wurde die Glocke durch eine Spendensammlung des Kuratoriums »Friedensglocke Dessau« gefertigt und hängt nun als Zeichen des Friedens und der Freiheit auf dem Platz der Deutschen Einheit in der Innenstadt. Seitdem ist sie Treffpunkt für Friedensgebete und andere Aktionen. Ihr Klang soll Mahnung sein, Frieden und Freiheit als wertvolle, zerbrechliche menschliche Güter zu begreifen, um die sich jederzeit und immer wieder neu bemüht werden muss.

400 Jahre nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges gedenken nun in diesem Jahr verschiedene Museen in Münster an den Abschluss des westfälischen Friedens 1648 und den Friedensschluss nach dem 1. Weltkrieg von Versailles 1918. Aus diesem Grund kam die Glocke als Kunstinstallation nach Münster.

»Suche Frieden«, unter diesem Motto hat auch der Katholikentag hier stattgefunden. Die Worte kommen aus dem Psalm 34,15 und bilden die nächste Jahreslosung für 2019: »Suche Frieden und jage ihm nach«.

Die Welt droht durch die vielen, unüberschaubaren und furchtbaren Kriegsschauplätze und das offene, aggressive Machtgehabe einzelner Staaten und Politiker immer unsicherer und instabiler zu werden. Der Friede ist zerbrechlich und keine Selbstverständlichkeit, auch wenn wir schon über 73 Jahre wieder in Frieden leben. Das Eintreten für friedliche Lösungen, die Bemühungen, immer wieder einen Dialog zu führen und den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, ist eine mühselige, aber unverzichtbare Aufgabe für Politiker, aber auch für einen jeden einzelnen von uns an dem Ort, an dem jeder und jede steht.

Als Christen können und müssen wir Zeugnis geben für den Frieden, denn uns ist durch Jesus Christus der Frieden zugesprochen. »Dass ihr in mir Frieden habt« ist die frohe und befreiende Botschaft des Evangeliums, die Botschaft Gottes an alle Menschen. Weil Gott uns in Jesus Christus seinen Frieden zusagt und verspricht, können wir uns auf den Weg des Friedens machen, ja, werden wir aufgefordert, selbst zu gehen.

»Suche Frieden«, dieser Imperativ kommt aus dem Indikativ. Den Frieden, den Gott uns schenkt, geben wir weiter, dazu sind wir beauftragt und gerufen.
Die Glocken unserer Kirchen erinnern uns an unseren Auftrag, und auch die in Dessau, die aus Waffen geschmiedet wurde, die mit dem Spruchband:

Keine Gewalt + ich läute für Frieden und Freiheit + ohne Freiheit kein Frieden + ohne Frieden keine Freiheit.

Ihre

Pfarrerin Katrin Kautz

5420