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Licht im Dunkel
Christus ist geboren
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Bild: www.pixabay.com

Trübsinnig ging ich durch die Straßen. Mein Schritt war schwer, meine Gedanken auch. Es war schon seit langer Zeit dunkel geworden um mich.

Aus den Fenstern der Häuser flackerten bunte Lichter. Ich sah Schatten, hörte leise Stimmen. Doch hier draußen auf der Straße war es sehr still. Es war Heilig Abend heute.

Auf der anderen Straßenseite stand eine Gestalt in einer Toreinfahrt. Ich konnte nur Umrisse erkennen. Als ich näher kam, erkannte ich, dass es sich um einen jungen Mann handelte.

Er blickte mich an und rief zu mir herüber: »He, Du! Schau nicht so griesgrämig! Freu Dich! Christus ist geboren!«

»Christus? Heute? – Vor 2000 Jahren vielleicht. Siehst Du nicht, wie sie heute feiern? Das Christkindlein kommt! Mit zwei Flügeln kommt es angeflattert, das Liebe. Es bringt viele Geschenke. Draußen in der Welt bringen sie sich in der Weil um. – Oder es kommt der Weihnachtsmann, abgeleitet vom Nikolaus. Dabei hat der Weihnachtsmann mit dem Nikolaus nichts mehr gemein. Und mit Weihnachten hat der g'rad so viel zu tun wie das Christkind mit Christus. Wer bringt das denn noch in Verbindung miteinander? Stattdessen machen alle auf ›Friede, Freude, Eierkuchen‹. Wichtig sind viele Geschenke, Geprotze, Heuchelei! Währenddessen führen sie Krieg, lassen Menschen verhungern, da werden Andersdenkende gefoltert, die Umwelt vernichtet, Frauen und Kinder geschändet. Alles im selben Augenblick! Das ist Weihnachten heute! Ganz christliche Menschen unterbrechen ihren Streit für zwei Tage, weil Weihnachten ist; danach geht's weiter. Und da kommst Du und sagst, freue Dich, Christus ist geboren.«

»Ja, da komme ich und sage Dir, Christus ist Dir geboren! Weißt Du noch – damals in Bethlehem? Christus wurde geboren. Menschen wurden gejagt, gefoltert, getötet. Menschen verhungerten. Israel war ein besetztes Land. Wäre alles in Ordnung gewesen – warum hätte er kommen sollen?

Christus wurde geboren, und er ging seinen Weg mit Liebe, Glaubenskraft, Konsequenz und Engagement. Als er gestorben und auferstanden war, da konnten seine Freunde sagen, Christus ist unter uns. Wenn Du weißt, dass Christus heute geboren ist – nicht irgendein Christkindlein, sondern der Christus –, wenn er bei Dir heute geboren wurde, dann kennst Du Deinen Weg! Nur auf Dich kommt es an, nur auf Dich, mein Freund!« 

Ich wollte widersprechen. Aber wie das mit Engeln so ist, er war verschwunden. Ja, lacht nur – aber fragt mich nicht näher. Vielleicht war er nie da gewesen. Vielleicht war da nur ich mit meinen Gedanken. Vielleicht ist mir das alles nicht passiert Vielleicht ...

»Wenn er bei Dir heute geboren wird, dann kennst Du Deinen Weg. Nur auf Dich kommt es an!« Das ging mir durch den Kopf. »Richtig, bei mir muss ich anfangen. Ich muss das tun, was ich als richtig erkenne, und dafür einstehen. Vor mir selbst muss ich bestehen können und vor Christus. Dazu muss er mir geboren werden«, so dachte ich.

Und das Dunkel um mich herum wich, obwohl es Nacht war. Mein Schritt wurde leichter, meine Miene heller. Ich fühlte mich besser.

Ich wusste, Christus war mir geboren!     

Hanno Hiller

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