Einfach mal runterkommen ...
Urlaub und Entspannung gegen Stress und für neue Kraft
strand-01
Bilder: M. Ebersohn, Hanau; www.flickr.com; A. Savin/commons.wikimedia.org

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Viele Menschen verlassen ihre gewohnte Umgebung, um einmal etwas anderes zu sehen und zu erleben. Sie suchen Ruhe und Entspannung, manchmal auch Jubel und Trubel an einem fremden Ort – jedenfalls, wenn sie es sich leisten können. Urlaub ist der Ausgleich für den Alltag, der oft als stressig, anstrengend, manchmal auch als langweilig empfunden wird.

Die Ziele der Reisen sind ganz unterschiedlich, so unterschiedlich eben wie die Menschen, die verreisen. Die einen fahren in die Berge und wandern zum Beispiel um den einen oder anderen Alpensee. Andere gondeln über Land von einer Stadt zur anderen und erfreuen sich an sehenswerten Kirchen, Palästen und Museen. Wieder andere liegen gerne am Strand und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen, bevor sie sich zum Abkühlen in die Fluten stürzen. Immer aber geht es neben dem Interesse an fremden Ländern und Kulturen um Erholung und Ruhe. Man möchte neue Kraft schöpfen, abschalten und die Seele baumeln lassen.

Die Tage verlaufen anders als zu Hause. Man tut Dinge, für die man sonst keine Zeit hat. Die Unterkunft ist oft einfacher und ohne gewohnte Annehmlichkeiten. Manchen genügt dabei auch ein Zelt, eine Luftmatratze mit Schlafsack und ein Camping-Kocher. Was für die einen völlig unvorstellbar ist, weil sie nicht auf die Dinge des Alltags, Laptop, Spülmaschine und das eigene Bett verzichten wollen, macht für andere gerade den Reiz aus. Sie genießen das Leben ohne Fernseher und Internet, greifen stattdessen zu einem Buch und haben etwas, das es zu Hause immer weniger zu geben scheint: Zeit!

Einfach mal runterkommen, Körper und Seele eine Auszeit gönnen, was anderes sehen und hören – oder auch einfach mal gar nichts –, das ist für die meisten Menschen das Ziel dieser sommerlichen Tage und Wochen. Das Leben herunterfahren auf das, was wirklich wichtig ist. Nur die Grundbedürfnisse und das, was einem großen Spaß macht, soll die Zeit erfüllen. Alles andere, der Beruf, der Ärger, all die kleinen Dinge, die einem das Leben schwer machen, sollen Pause haben.

In der kirchlichen Tradition ist das nichts Außergewöhnliches. Sie hat schon lange erkannt, dass Einkehr und Besinnung, wie das in der Kirche heißt, sinnvoll und förderlich sind. Dabei hatte sie in früheren Jahrhunderten sicher keinen Urlaub im Sinne, wie wir ihn kennen. Aber Zeiten der Einkehr und Besinnung auf das eigene Leben waren und sind Teil des gläubigen Lebens. Es gibt sie regelmäßig im Verlauf des Kirchenjahres, meistens als Vorbereitungszeit vor den großen Festen. Wir kennen das heute vor allem von der Passionszeit zwischen Fastnacht und Ostern, die von Fasten, von Verzicht und Nachdenken bestimmt ist. Aber auch der Advent, die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, ist ursprünglich ähnlich geprägt.

Einkehr und Besinnung haben in der kirchlichen Tradition aber auch einen besonderen Ort: die Klöster. Viele Menschen sind gerade deshalb Mönch oder Nonne geworden, weil in den Orden, den klösterlichen Gemeinschaften, Einkehr, Ruhe und Besinnung Teil des normalen Lebens sind.

Das ist vielleicht der Grund, worum heute immer mehr Menschen eine Einkehrzeit in einem Kloster verbringen. Auch dort kann man wie beim Camping das äußere Leben herunterfahren auf die Grundbedürfnisse. Das geht hin bis zu einem ganzen Wochenende Schweigen; einfach einmal nicht zu kommunizieren, kann eine prägende Erfahrung sein.

Natürlich ist das nicht für jeden etwas, weil wir Menschen ja ganz unterschiedlich sind. Aber Ruhe und Entspannung und einfach mal abschalten brauchen wir eigentlich alle. Wo und wie, das findet jede und jeder für sich selbst, ob im Urlaub oder auch in der heimischen Umgebung. 

Michael Ebersohn

5094