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Orgelrenovierung in der Johanneskirche
Alle 1558 Pfeifen haben wieder ihren Platz gefunden
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Bilder: R. Kasan, Hanau

Fast fünf Monate lang gab es kein Orgelspiel in der Johanneskirche. Der Grund war eine umfassende Renovierung des Instrumentes, die nötig geworden war, da etliche Bauteile nicht mehr zuverlässig funktionierten.

Die Geschichte ist rasch erzählt. Erbaut wurde die Orgel 1968 von der Firma Peter aus Köln. Entwickelt und konzipiert wurde das Werk aber von Ernst Karl Rößler, der zugleich Pfarrer und Orgelsachverständiger war. In seiner zweiten Funktion hat er mit viel Kreativität den Orgelbau in Deutschland für einige Jahre entscheidend mit beeinflusst. Sein Klangideal orientierte sich an Orgeln aus der Barockzeit. Er war bekannt für „enge Mensuren“, die zu einem schlankeren Klang führen. Zugleich war er immer auf der Suche nach neuen Klangfarben und erfand so neue und ungewöhnliche Register. Er war experimentierfreudig und daher natürlich auch umstritten. Viele seiner Werke sind inzwischen durch neue Instrumente ersetzt worden. In der Johanneskirche soll die Orgel aber auch als Zeitzeugnis erhalten werden.

Es war eine experimentierfreudige Zeit, was sich auch bei der Auswahl der beim Orgelbau verwendeten Materialien zeigte. So wurden einige Teile aus Pressspanplatten gefertigt, wo früher im Orgelbau nur wertvolle und gut abgelagerte Hölzer Verwendung fanden. Zudem wurde die Orgel elektrisch gesteuert und nicht wie früher durch Holzstreben.

Leider haben gerade diese Experimente zu großen Problemen geführt. Pressspan nimmt Feuchtigkeit sehr viel stärker übel als gut abgelagertes Holz und quillt auf. So kam es in dem Instrument schon seit vielen Jahren zu »Versagern« oder »Heulern«, Töne erklangen gar nicht, oder es jaulte aus der Orgel, obwohl keine Taste gespielt wurde. Über eine lange Zeit wurden diese Probleme provisorisch behoben. Unmengen von Talkum wurden eingebracht, um Teile beweglich zu halten, ein Stoff, der aber die Dichtungen in der Orgel spröde werden lässt, ein Teufelskreis. Auch die elektrische Anlage, inzwischen ebenfalls fast 50 Jahre alt, musste erneuert werden. Hier produzierten viele Bauteile Fehler, zudem bestand eine erhöhte Brandgefahr.

Um alle Probleme grundlegend zu lösen, blieb nur eine gründliche Sanierung.

Mit der Firma Lenter aus Sachsenheim hat die Kirchengemeinde einen Orgelbauer gewinnen können, der für solche Instrumente eine besondere Sensibilität entwickelt hat. Das Ziel konnte mit seiner Hilfe erreicht werden: Eine »Rößler-Orgel« für die Nachwelt zu erhalten.

Im Januar ging es dann los: Die Orgel musste komplett auseinander genommen werden. Zuerst wurden alle Pfeifen ausgebaut, der Spieltisch in seine Einzelteile zerlegt, die elektrischen Komponenten weitgehend entfernt. Zuletzt wurden die drei Windladen ausgebaut und zur Sanierung in die Werkstatt nach Sachsenheim gebracht.

Windladen nennt man die Herzstücke der Orgel, auf denen die Pfeifen stehen und mit Wind versorgt werden, damit sie erklingen. Es sind sehr große »Möbelstücke«, um die 300 Kg wiegt solch ein Teil. Beim Ausbau haben neben den Orgelbauern auch Gemeindeglieder geholfen, beim Wiedereinbau der grundsanierten Laden hat man dann doch lieber professionelle Möbelträger engagiert.

Danach kam der Orgel-Elektroniker zum Zug. Eine computergestützte neue Steuerung der Orgel wurde eingebaut, die Elektromagneten (für jede Taste gibt es einen, der das Ventil zur Luftversorgung öffnet) mussten neu angeschlossen werden.

Jetzt galt es, alle Pfeifen zu untersuchen: Risse wurden verleimt oder verlötet. Jede wurde gründlich gereinigt und neu »intoniert«, so nennt man den Arbeitsvorgang, bei dem der Klang jeder einzelnen Orgelpfeife optimiert wird. Die Orgel der Johanneskirche hat 1558 davon, die kleinste Pfeife misst gerade mal 7 mm, die größte bringt es auf 2,40 m. Jede fand anschließend wieder ihren Platz auf der Windlade und wurde gestimmt.

So allmählich füllte sich die Orgel wieder und die Empore der Johanneskirche leerte sich. Der Spieltisch bekam auch einen neuen Platz. Er steht jetzt etwas weiter weg von dem Instrument, damit der Organist den Klang der drei »Werke« dieser Orgel, nämlich das Schwellwerk (mit der Jalousie zur Lautstärkeveränderung), das Hauptwerk (darüber aufgestellt) und das Pedalwerk (mit den großen Pfeifen zur Kirche hin gewendet) optimal hören und beurteilen kann.

Jetzt ist die Sanierung der Orgel abgeschlossen. Das Instrument klingt heute so, wie es Herr Rößler einmal gewollt hat. Im Konfirmationsgottesdienst am 7. Mai dieses Jahres konnte Kantor Christian Mause die Orgel einweihen.

Bleibt Dank zu sagen allen, die mitgeholfen haben, unsere Orgel zu retten und für die Nachwelt zu erhalten. Danke an Herrn Vogt, dem Orgelsachverständigen unserer Landeskirche für die fachkundige Beratung, danke an die Orgelbaufirma Lenter für ihre sehr gründliche und sorgfältige Arbeit, danke an alle, die mit beraten und für die Finanzierung dieser großen Maßnahme gesorgt haben.

Jetzt klingt sie wieder, Gott sei Dank!

Rainer Kasan

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