Wie Luther nach Hanau kam ...
Die Luther-Marionette – Interview mit Christel Sippel
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Bilder: Stadtkirchengemeinde Hanau

■     Wie kamen Sie auf die Idee, eine Marionette anfertigen zu lassen?

In den vorbereitenden Gesprächen auf das Reformationsjubiläum habe ich festgestellt, dass Angebote für Kinder gefehlt haben. Ich habe überlegt, wie kann Kindern dieses Thema nahe gebracht werden. Sicher gibt es Bücher, es kann erzählt werden, aber ich wollte etwas haben, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Puppen, Figuren, sind für Kinder eindrücklich und können Botschaften lebendig werden lassen. So ist die Idee, eine Marionette von Martin Luther anfertigen zu lassen, entstanden. Zunächst habe ich meine Idee an den verschiedenen Stellen geschildert und habe sehr schnell verstanden, dass es etwas ist, was sich lohnt weiterzuverfolgen.

■     Können Sie uns davon berichten, wie der Kontakt mit Roland Richter (Hanauer Marionettentheater) und Frau Pfarrerin Ines Fetzer (Autorin des Stücks) zustande kam?

Durch Besuche des Hanauer Marionettentheaters mit Kindergruppen habe ich die Spielweise von Herrn Richter erlebt. Für mich war natürlich wichtig, dass die Marionette professionell gehandhabt werden muss. Ich habe Herrn Richter in einem Gespräch meine Idee geschildert. Er war sofort bereit, dieses Projekt zu unterstützen. und hat den Kontakt zu Herrn und Frau Weinhold, Figurenbau, in Berlin hergestellt. Jetzt musste ein entsprechendes Stück geschrieben werden. Pfarrerin Fetzer, Beauftragte für Kindergottesdienst im Sprengel Hanau, habe ich von meiner Idee erzählt, und da wir bereits im Herbst 2016 einen Fachtag zum Thema Reformation und Luther durchgeführt haben, bei dem sie mit federführend war, war es für mich die erste Adresse für das Stück. Neben den Gesprächen mit Frau Fetzer und Herrn Richter habe ich parallel den Kontakt mit Herrn Weinhold aufgenommen und einen Kostenvoranschlag eingeholt.

■     Wen galt es im Entstehen des Projektes mit ins Boot zu holen und welche Hürden zu überwinden?

Die größte Hürde hat in der Finanzierung bestanden, denn der Kostenvoranschlag lautete 2.140 €. Der Kirchenvorstand hat den Beschluss gefasst, die Vorfinanzierung zu übernehmen und ich habe die Figur in Auftrag gegeben. Mit dem Beschluss ist die Stadtkirchengemeinde die Besitzerin der Marionette. Gleich nach dem Beschluss hat uns der Handarbeitskreis der Kreuzkirche eine Spende von 200 € zugesagt. Weitere Spenden habe ich über Projektbeschreibungen erhalten.

■     Sie haben es sich nicht nehmen lassen, die Marionette in Berlin selbst abzuholen und hatten auch eine erlebnisreiche Rückfahrt. Können Sie uns einen kleinen Reisebericht geben?

Nicht nur die Rückfahrt war ein Erlebnis, auch die Hinfahrt, denn ich bin nach Berlin gefahren, als es Unwetterwarnungen gab. Der gebuchte ICE ist ausgefallen und der Ersatz ist mit 45minütiger Verspätung gefahren. Da ich am selben Tag wieder zurück bin, war Hektik vorprogrammiert. In Berlin-Köpenick hat mich Herr Weinhold abgeholt und nach der Besichtigung der Werkstatt – hier habe ich auf einem Bord auch die Brüder Grimm entdeckt – habe ich Martin Luther in Empfang genommen. Es war ein besonderer Moment. Eingepackt in einer IKEA-Tasche sind wir beide dann zurück gefahren. Im Zug habe ich Martin Luther ausgepackt, die Fahrgäste haben die Figur bewundert und es wurden Fotos gemacht. In Hanau am Bahnhof hat dann auch der Taxifahrer für ein Foto herhalten müssen. Auf seine Anmerkung »Aber ich muss nicht auf's Foto, oder?« habe ich ihn beruhigt und er hat die Figur bereitwillig gehalten. Da unser Martin Luther nur 75 cm groß ist und auch noch keine 6 Jahre alt ist, durfte er umsonst fahren.

■     Mögen Sie für uns die Gefühle beschreiben, als Sie dann die Uraufführung erleben konnten?

Es war für mich ein besonderer Moment. Die volle Marienkirche, die Ruhe während der Aufführung, die Spannung, die Musik haben mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt, froh, die Vision zur Realität werden zu lassen und allen Besuchern vielleicht einen besonderen Moment geschenkt zu haben. Es war der Höhepunkt nach all den Mühen.

■     Hat das Projekt Ihre Einstellung zum »richtigen« Luther verändert?

In der Auseinandersetzung mit dem Leben von Martin Luther, dem Besuch in Wittenberg, der Biographie, kann ich sagen: Ja. Andererseits: Hätte ich nicht schon vorher Martin Luther als besondere Persönlichkeit gesehen, wäre es von meiner Seite nie zu diesem Projekt gekommen.

■     In der Bibel heißt es ja: »Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei«. Heißt das nicht, dass das nach einer Katharina-von-Bora-Marionette schreit und einem zweiten Stück, vielleicht zum 500. Hochzeitstag der beiden?

Ich arbeite dran, ja. Mein Ziel ist es schon, auch Katharina von Bora als Marionette nach Hanau zu holen. Sie ist eine bemerkenswerte starke Frau, die uns auch heute noch viel geben kann.

Die Fragen stellte Stefan Axmann

Bild unten: Bei der Uraufführung in der Marienkirche am 28. Januar 2017: Christel Sippel (2. von links) und Ines Fetzer (2. von rechts) mit den Marionetten und den Puppenspielern Roland und Diana Richter

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